gretchen87

,, Ich würde es genauso wieder machen". Dies war Sophie Scholls letzter Satz, bevor sie hingerichtet wurde.

Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 in der württembergischen Stadt Forchtenberg westlich von Künzelsau als Tochter des Bürgermeisters Robert Scholl (1891 - 1973) und dessen Ehefrau Magdalena (1881 - 1958) geboren. Mit ihren Geschwister Inge (1917 - 1998), Hans (1918 - 1943), Elisabeth (*1920) und Werner (*1922) wuchs sie in Ulm auf.

Im Alter von sechzehn Jahren verliebte Sophie Scholl sich in einen fünf Jahre älteren Klassenkameraden ihres Bruders Hans – Fritz Hartnagel –, und der junge Mann erwiderte ihre Gefühle. Zum Kummer seiner Freundin schlug er die Offizierslaufbahn ein und zog 1939 in den Krieg.

In der Hoffnung, den Reichsarbeitsdienst umgehen zu können, ließ Sophie Scholl sich ab Mai 1940 in Ulm zur Kindergärtnerin ausbilden. Kurz vor ihrem Abschluss wurden die Bestimmungen jedoch geändert und sie musste ein halbes Jahr zum Reichsarbeitsdienst in Krauchenwies bei Sigmaringen und ein weiteres halbes Jahr zum Kriegshilfsdienst in Blumberg. Erst im Sommersemester 1942 immatrikulierte Sophie Scholl sich an der Universität München und belegte die Fächer Biologie und Philosophie.

Hans Scholl, der dort Medizin studierte, begann zwar zur gleichen Zeit mit dem Verteilen von Flugblättern, in denen die "Weiße Rose" zum Widerstand gegen das Hitler-Regime aufrief, versuchte jedoch, seine Widerstandstätigkeit vor seiner Schwester zu verbergen. Sie kam trotzdem dahinter, und nachdem er im November 1942 von einem mehrmonatigen Einsatz als Sanitäter an der Ostfront zurückgekommen war, ließ sie sich nicht davon abbringen, bei der Vervielfältigung und Verteilung der Flugblätter der Weißen Rose mitzumachen.

Am Morgen des 18. Februar 1943 beobachtete Jakob Schmied, der Hausmeister der Münchner Universität, wie die Geschwister Scholl das sechste Flugblatt der Weißen Rose auf Treppenabsätzen und Fensterbänken auslegten. Er zerrte sie in das Büro des Rektors und rief die Gestapo. Hans und Sophie Scholl wurden festgenommen. Man beschuldigte sie des Hochverrats, der Feindbegünstigung und der Wehrkraftzersetzung. Am 22. Februar reiste Roland Freisler, der Präsident des Volksgerichtshofes, eigens nach München, um über die Angeklagten zu Gericht zu sitzen. Mutig sagte ihm Sophie Scholl ins Gesicht: "Ich würde alles genau noch einmal so machen, denn nicht ich, sondern Sie haben die falsche Weltanschauung."

Als Sophies Freund Fritz Hartnagel, der gerade mit erfrorenen Händen aus Stalingrad ausgeflogen worden war, in einem Lazarett in Lemberg von den Todesurteilen erfuhr, brach er sofort nach Berlin auf, um ein Gnadengesuch einzureichen, aber bei einem Telefongespräch mit der Familie Scholl in Ulm hörte er zu seinem Entsetzen, dass die einundzwanzigjährige Sophie Scholl, ihr Bruder Hans sowie ihr Kommilitone Christoph Probst noch am Nachmittag mit dem Fallbeil in München-Stadelheim hingerichtet worden waren.

Anlässlich des sechzigsten Todestages wurde am 22. Februar 2003 in der Walhalla eine Büste von Sophie Scholl aufgestellt. Nach Maria Theresia (1717 - 1780), Katharina der Großen (1729 - 1796), Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen-Kassel (1717 - 1780) und Maria Theresia Gerhardinger (1797 - 1879) war Sophie Scholl die fünfte Frau, der diese Ehre zuteil wurde.

Auf der Grundlage von Vernehmungs- und Gerichtsprotokollen, Interviews mit Zeitzeugen und anderen Dokumenten hat Fred Breinersdorfer das Drehbuch für einen von Marc Rothemund inszenierten Film über die letzten sechs Tage in Sophie Scholls Leben geschrieben: "Sophie Scholl. Die letzten Tage".

Im Rahmen der Recherchen für den Kinofilm "Sophie Scholl. Die letzten Tage" interviewte Ulrich Chaussy vor laufender Kamera u. a. Walter Gebel, den Neffen von Else Gebel, die mit Sophie Scholl die Gefängniszelle geteilt hatte, und Willi Mohr, den Sohn Robert Mohrs, des damaligen Kriminalobersekretärs bei der Gestapo, von dem Sophie Scholl verhört worden war. Aus diesem und anderem Material – Bilder, Dokumente, weitere Interviews – machte die Regisseurin Marieke Schroeder den siebzigminütigen Dokumentarfilm "Sophie Scholl. Allen Gewalten zum Trotz", der am 20. Februar 2005 erstmals im Fernsehen ausgestrahlt wurde.